Gesammelte Pressestimmen zu
Purcell: "Dido und Aeneas"
Der Standard, 12.01.2010
Amors messerscharfe Pfeile
Harnoncourt mit Händel und Purcell
Wien - Während der entscheidenden Szene in Henry Purcells Dido and Aeneas stehen sich die Königin von Karthago und der Held aus Troja in einer verfahrenen, paradoxen Situation gegenüber: Er möchte seinen Entschluss, die Geliebte zu verlassen, rückgängig machen, als er ihren Schmerz erfasst. Doch sie will nichts mehr davon wissen, denn allein durch seinen Gedanken an die Trennung fühlt sie sich tödlich verletzt.
So wechselvoll wie dieser Dialog kommt die Musik der ganzen Miniaturoper daher, die trotz ihrer Kürze an Tragik und Emotion kaum zu überbieten ist. Es wäre wohl niemand berufener, die Dramaturgie solcher Kontraste aufzuzeigen, als Nikolaus Harnoncourt.
Im Musikverein ließ er schon in der Ouvertüre das Zerstörungswerk erahnen, mit dem die Hexen rund um ihre skurrile Anführerin (Wolfgang Holzmair) das Liebespaar - hier: die herzzerreißende Bernarda Fink und den markigen Gerald Finley - auseinanderintrigieren werden. Und mit aller Wucht legte Harnoncourt mit dem Concentus Musicus und dem exzellenten Arnold Schoenberg Chor die Ausdruckskraft noch der mikroskopischsten Details frei. [...]
Daniel Ender
Kurier, 11.01.2010
Unvergesslicher Abend mit passionierten Künstlern
Kritik – Einen Samstagabend der Superlative bescherte Nikolaus Harnoncourt mit seinem Concentus Musicus im Wiener Musikverein.
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„Dido und Aeneas“, Oper von Henry Purcell, war dank musikalischer Substanz auch in konzertanter Darbietung interessant und unterhaltsam. Das war auch den SolistInnen anzumerken, die sich als Zauberin (Wolfgang Holzmair), Hexen (Elisabeth von Magnus und Johanna Aschenbrenner), Matrose (James Taylor) und Gespenst (Peter Kövari) offensichtlich ebenfalls amüsierten. Großartig in den Hauptpartien: Bernarda Fink, Gerald Finley und Sophie Karthäuser. Wie immer fantastisch: Harnoncourt, der Concentus Musicus und Erwin Ortners Arnold Schoenberg Chor, einfach Weltklasse!
Luise Hahn
Kronen Zeitung, 12.01.2010
Lovestorys – antik verpackt
Zwei antike Frauenschicksale, die Poeten wie Komponisten seit der Wiederentdeckung der Antike und der "Erfindung" der Oper beschäftigen, faszinieren auch Nikolaus Harnoncourt: Im Musikverein führte er Händels Cantata "Apollo e Dafne" (1706/10) und Purcells Oper "Dido and Aeneas" (1688) mit seinem Concentus auf.
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Mit dem ideal eingestimmten Concentus und dem perfekten Schoenberg Chor gestaltet Harnoncourt einprägsame "Klanginszenierungen": Kostbar leuchten Instrumentalfarben, feingliedrige Strukturen fügen sich zu schwebenden Szenen zwischen Götter- und irdischer Welt.
Ideal besetzt sind die Gesangspartien: Die belgische Sopranistin Sophie Karthäuser – wir kennen sie aus "Susanna" aus dem Theater an der Wien – brillierte als Dafne und Didos Vertraute Belinda mit edlen, warm strahlenden Koloraturen; Mezzo Bernarda Fink begeisterte als ausdrucksstarke, zu Tode getroffene Dido, Bassbariton Gerald Finley als stimmgewaltiger Apollo und martialischer Liebesverweigerer Aeneas, der Bariton Wolfgang Holzmair als bösartige Zauberin, Elisabeth von Magnus als Frau und Erste Hexe sowie James Taylor als Seemann, Barockoper auf höchstem Niveau!
Karl-Heinz Roschitz







