Die Presse
Wien, 21.11.1997
Schuberts Chormusik...
... gibt Wissenschaftlern allerlei Rätsel auf. Wie wurden die Werke tatsächlich aufgeführt, durch Chöre oder doch solistisch besetzt? Zu welchen Gelegenheiten sind sie entstanden? Nicht bei allen Kompositionen, die Schubert für dieses Genre vorgelegt hat, weiß man um die Entstehungsgeschichte bescheid. Auch ist wahrscheinlich, daß die Liedertafeltradition der Nachgeborenen das gesamte Chorwerk Schuberts in eine musikhistorische Ecke gerückt hat, die ihm nicht zukommt. Wie auch immer: Erwin Ortner hat sich mit seinem Arnold Schoenberg Chor im Verein mit prominenten Solisten wie Angelika Kirchschlager, Robert Holl, Ruth Ziesak, András Schiff und Barbara Moser eines breiten Querschnitts durch die entsprechende Werkliste angenommen und eine wohl ausbalancierte, vokal bemerkenswert vielschichtige CD-Edition präsentiert. Nach inhaltlichen Gesichtspunkten geordnet, findet der Hörer hier prachtvolle, zum Teil zukunftsweisende, von den Zeitgenossen argwöhnisch betrachtete Kompositionen neben schlichten Weisen. Und er wird auch nach der siebenten CD überzeugt sein, daß Schuberts Genialität in ihrem Abwechslungsreichtum für mehr als acht Stunden mühelos ausreicht.
Teldec





