Salzburger Nachrichten
Salzburg, 06.12 97
Schubert 132mal für den Chor
Was könnte dem Schubert Freund heute noch weitgehend fehlen? Richtig, die Chormusik. Sie lief bislang eher "nebenher" und wurde weder richtig ernst noch aufgenommen. Das Schubert-Jahr hat auch hier heilsam gewirkt und Erwin Ortner, den Arnold Schoenberg Chor und die Firma Teldec auf den Plan gerufen, das gesamte weltliche "Chorwerk" (das durchaus auch geistliche Aspekte einschließt) - eigentlich seine mehrstimmigen Gesänge - zum Jubiläum aufzunehmen. Eine Meisterleistung - leider aber nicht beim Begleitheft, das mangels Register keine Orientierung unter den 132 Stücken schafft. Die sieben CDs (Teldec 4509-94546-2), auf denen die Stücke thematisch zusammengefaßt sind, sind Schatzkästlein und Fundgrube zugleich, dazu ein Kompendi um der Kunst dieses Chores und der exzellenten Solisten. Wer den Komplettkauf nicht scheut, darf sich auf Stunden des Musikgenusses freuen. John Eliot Gardiner hat sich im Lichte Schuberts auf seine Eigenschaft des Chorleiters besonnen und auf einer CD (" Voices in the night", Philips 454428-2) mit seinem Monteverdi-Choir ausgewählte Gesänge zusammengestellt. Das ist kerniger, solistischer, auch "sportlich" - bewegter als Ortner, läßt aber die homogene Seidigkeit vermissen, mit welcher der Schönberg Chor so gelungen die Mitte zwischen
"Volks"-Lied und Kunstwerk trifft. Trotzdem: ein wichtiger Diskussionsbeitrag und eine hörenswerte Alternative in der Ästhetik.





