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Die Presse
23.12.1997

Ideale Synthese aus Kraft und Wärme

Mendelssohns "Elias" mit dem Arnold Schonberg Chor unter Erwin Ortner: Glanzvoller hätte das Mendelssohn Jahr 1997 nicht zu Ende gehen können.

Der Arnold Schoenberg Chor feiert in dieser Saison sein 25 jähriges Bestehen mit einem eigenen Zyklus im Musikverein. Nach einem a-capella-Konzert im Rahmen von "Wien modern" verabschiedete sich der Chor jetzt von einem der Jahresregenten mit einer hinreißenden Wiedergabe seines Chef d'¦uvre. Mendelssohns Oratorium "Elias" gilt ja in seiner Verschmelzung von romantischer Gefühlswärme und barocker Formenstrenge zu Recht als die Krone seines Schaffens. Das ist im Zuge der Mendelssohn-Renaissance der letzten Jahre wie der starker im allgemeinen Bewußtsein verankert; aber selten noch durfte man die mitreißen den Wucht und ungeheure Dramatik dieser Partitur so hautnah und packend erleben wie dies mal im Musikverein. Da holte Erwin Ortner mit profunder Partiturkenntnis alle Nuancen zwischen mächtig aufgetürmten Höhepunkten und verhaltendster Ruhe hervor, sorgte für präzise Deklamation und großräumige Phrasierung und erzwang mit seinem restlosen (auch körperlichen) Einsatz ebensolche Höchstleistungen von den Mitwirkenden. Davon spürbar inspiriert (und erstaunlich homogen) zeigte sich der - in dieser Formation wohl ad hoc formierte - Wiener Concert-Verein, angeführt von ausgezeichneten Mitgliedern der Wiener Symphoniker und des RSO Wien.
Unter den Solisten ragte der junge deutsche Bassist Reinhard Hagen in der Titelpartie durch charaktervolles, entwicklungsfähiges Material, geschmeidige Stimmführung und intelligente Gestaltung heraus. Verantwortungsbewußt agierten auch Joanna Borowska (Sopran), Monika Croop (Alt) und Kurt Azesberger (Tenor), makellos die Ensembles der acht Engel und der rollendeckend timbrierte Sopran von Ev-Marie Grünenwald als Knabe - librettogerecht auf höchster Empore postiert. Über allem jedoch der Schoenberg Chor. Er scheint - falls überhaupt möglich - in letzter Zeit an Vollkommenheit noch hinzu gewonnen zu haben: Schier unfaßbar ist heute seine ideale Synthese aus Kraft, schlanker Wärme, Homogenität und klarer Diktion. Große Begeisterung im gutbesuchten Goldenen Saal.

Gerhard Kramer

Maria! 20 Geistliche Gesänge
(Johannes Brahms)
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